Good Food
Geändert am: 06. März 2014

Männer, esst weiter so!

Written by  menscore-body, Published in Good Food
Aus der ärztlichen Redaktion
 
Männer, esst weiter so! © ExQuisine - Fotolia.com

Männeressen muss gut schmecken - gesund ist egal. Und das ist gut so. Ein Experten-Beitrag von Diplom-Ökotrophologe Uwe Knop, kritischer Buchautor aus Hofheim.

 

 

 

Ein Scan deutscher Teller macht schnell klar, was auch die Wissenschaft gerne erforscht und öffentlich präsentiert: Männer mögen kaum „gesunde Sachen“ wie Salat, Obst, Gemüse, Vollkornprodukte oder „süße Sünden“ - und stilles Wasser oder „ungesüßter Tee“ gleitet nur wenige männliche Kehlen hinab. Männer machen sich im wahrsten Sinn „keinen Kopf“ und essen bauchgesteuert, vornehmlich alles herzhafte tierischer Herkunft: Steak und Schnitzel, Hamburger und Currywurst, gerne „männlich scharf“. Gesunde Ernährung kommt im maskulinen Kulinaristikjargon nicht vor, hier dominiert der Genuss. Und das ist gut so!

Denn Fakt ist: Mann braucht sich keine Gedanken über gesunde Ernährung zu machen. Der Grund: es gibt keine Beweise, was „gesunde“ Ernährung sein soll, da die Ernährungsforschung systembedingt keine wissenschaftlichen Belege liefern kann!

 

Was haben der Weihnachtsmann und die Regeln zur gesunden Ernährung gemeinsam?

Ganz einfach: Es gibt keine Beweise für deren Existenz - und viele glauben trotzdem dran. Und das liegt daran, dass Ernährungsforschung keine Ursache-Wirkungs-Beziehungen (Kausalitäten) liefern kann, sondern nur statistische Zusammenhänge (Korrelationen) zu Tage fördert. Diese Zusammenhänge aber erlauben wiederum nur Hypothesen, Vermutungen und Spekulationen. Ein einfaches Beispiel verdeutlicht dieses System der Ernährungsforschung: Wenn es heißt „Wurst erhöht das Diabetesrisiko“, dann wurde nur ein statistischer Zusammenhang zwischen Wurstverzehr und Diabetesrisiko aus den Studiendaten isoliert herausgerechnet. Warum dieser Zusammenhang besteht - das jedoch weiß niemand.

 

Schwarze Strümpfe sind Wurst!

Genauso gut hätte man feststellen können: „Schwarze Strümpfe erhöhen das Diabetesrisiko“ - weil man aus den Daten errechnet hat, dass Menschen mit schwarzen Strümpfen ein höheres Diabetesrisiko aufweisen als diejenigen, die vorwiegend braune Strümpfe anziehen. Das ist absurd. Genauso absurd wie die Wurst-Korrelation.

 

Bemitleidenswerte Ernährungswissenschaften

Professor Gerd Antes, Direktor des Deutschen Cochrane-Zentrums in Freiburg, das die Qualität wissenschaftlicher Untersuchungen bewertet, hat bereits mehrfach erklärt, dass Ernährungsforschung keine Beweise liefern kann. Für Antes sind „die Ernährungswissenschaften in einer bemitleidenswerten Lage“, denn deren Beobachtungsstudien sind methodisch unzuverlässig. „Studien in diesem Bereich sind von vielen unbekannten oder kaum messbaren Einflüssen abhängig“, erklärte Antes der Süddeutschen Zeitung. „Beobachtungsstudien sind anfällig für viele Störgrößen, sodass am Ende keine wissenschaftlich vertretbare Erklärung für die beobachteten Zusammenhänge möglich ist“, lautet ein passendes Zitat von Professorin Gabriele Meyer vom DNEbM (Deutsches Netzwerk Evidenzbasierte Medizin).

 

Mann isst, was gut schmeckt!

Daher ist es begrüßenswert, dass Männer beim Essen primär auf ihren Körper statt auf gesundheitsapostolisch ambitionierte Ernährungsexperten hören. Der echte Hunger, also das körperlich-biologische Hungergefühl, dominiert die Nahrungsauswahl. Nach Analyse von über 500 aktuellen Studienergebnissen der Jahre 2007-2013 lautet das ideologiefreie Fazit, das dieses intuitive Essverhalten bestärkt: „Essen Sie nur dann, wenn Sie echten Hunger haben, und zwar nur das, worauf Sie Lust haben, was Ihnen schmeckt und was Sie gut vertragen.“

 


 

 

Zwei Ausnahmen bestätigen die Regel…

Doch Achtung: Das hier ist kein „Freibrief für Völlerei“. Es geht nicht ums sinn- und hirnlose „große Fressen“ ohne Hunger und körperliche Notwendigkeit. Die These „Iss, was Du willst“ sollte nur beherzigt werden, wenn der Körper Hunger hat - also zur physiologischen Nährstoffversorgung. Wer hingegen häufig dem Emotional Eating frönt, also dem hungerfreien Essen aus Frust, Kummer, Langeweile, Traurigkeit, Stress oder einer Melange aus alldem - der sollte sein Essverhalten hinterfragen und erst einmal die Gründe für das „Füttern der Seele“ herausfinden - und eliminieren. Denn Essen, um schlechte Gefühle oder psychische Probleme „herunterzufressen“, das ist nicht der biologische Sinn und das Ziel des Essens. Sondern Zweckentfremdung, die zu etlichen unnatürlichen Kilos zuviel auf den Hüften werden kann - und das wiederum kann zu einem Teufelskreis führen: Mann wird dicker, fühlt sich noch unwohler, futtert noch mehr kompensatorisch, wird noch dicker…

Die zweite Ausnahme ist schnell erklärt: Jedermann, der krank ist oder sich krank fühlt, der sollte zum Arzt gehen - denn vielleicht spielt die (falsche) Ernährung bei der Entwicklung der Krankheit eine Rolle. Und das sollte der Gesundheit zuliebe geklärt und idealerweise ausgeschlossen werden, bevor Mann essen kann, worauf er Lust hat (wenn er Hunger hat).

Die HUNGER & LUST-These spricht ausschließlich gesunde Menschen an, denn die müssen und sollten sich keine Gedanken um gesunde Ernährung machen. Dabei ist übrigens gut zu wissen, dass die Deutsche Gesellschaft für Ernährung DGE bereits 2010 in einem dpa-Interview anlässlich des Buchs HUNGER & LUST klar gestellt hat: „Die Einteilung in gesunde und ungesunde Lebensmittel hat keinen Sinn.“

In diesem Sinn - Lassen Sie es sich schmecken, vor allem, wenn der Hunger groß ist!

Ihr Dipl.oec.troph. Uwe Knop