Herz & Kreislauf
Geändert am: 20. Juni 2013

Herzinfarkt - Warnzeichen und Behandlung

Written by  menscore-body, Published in Herz & Kreislauf
Aus der ärztlichen Redaktion
 

Bei einem Herzinfarkt werden Herzmuskelzellen nicht mehr mit Blut versorgt und das Gewebe stirbt ab. Ist ein großes Areal betroffen, oder wird nicht schnell behandelt, kann ein Herzinfarkt tödlich verlaufen. Zum Glück gibt es Warnsignale.

 

 

Das erste Körperorgan, das vom Herzen mit Frischblut versorgt wird, ist das Herz selbst. Denn das mit etwa 300 Gramm eher kleine Organ muss Höchstleistungen erbringen, ohne dass es, wie andere Muskeln, je eine Pause einlegen könnte. Im Laufe eines 70-jährigen Lebens schlägt es rund 3 Milliarden Mal und sorgt dafür, dass täglich 400 bis 800 Liter Sauerstoff in den Körper gepumpt werden. Nicht nur das Herz selbst ist klein, auch die versorgenden Arterien haben eher schmale Durchmesser. So kommt es, dass schon kleinste Blutklümpchen – Thromben genannt – die Herzkranzgefäße verstopfen und einen Totalschaden am ganzen System bewirken können. Ursache der Verstopfungen: Arteriosklerose.

Nicht immer kommt ein Herzinfarkt ohne Ankündigung und sofort tödlich daher, es gibt oft Warnschüsse. Die Vorstufe des Infarktes heißt Angina pectoris („enge Brust“ oder „Brustenge“). Und genauso fühlt sich ein Anfall an: Der Betroffene meint, sein Brustkorb würde zugeschnürt. Er spürt brennende Schmerzen hinterm Brustbein, leidet unter Atemnot. Grund ist eine Mangeldurchblutung in den Herzkranzgefäßen, aber eben noch kein totaler Durchblutungsstopp wie beim Infarkt. Wer jetzt zum Arzt geht und mit der Therapie beginnt, kann das Ruder noch herumreißen.

 

Rettung auf Verdacht

Alle Alarmglocken sollten läuten, wenn sich zu heftigen Schmerzen in der Brust und/oder im linken Arm, in Schultern, Rücken, Unterkiefer noch kalter Schweiß, Herzrasen, Atemnot, Todesangst und manchmal Bewusstlosigkeit einstellen. Bei solchen Beschwerden könnte das Warten auf Labor-Ergebnisse zur fahrlässigen Tötung werden. Deshalb wird gleich so therapiert, als sei sicher, dass es sich um einen Infarkt durch ein Blutgerinnsel handelt. Bei der Lysetherapie spritzt man Substanzen (etwa Aspisol), die ein Gerinnsel auflösen können. Sie zeigen eine besonders gute Wirkung, wenn sie innerhalb von einer Stunde nach Auftreten der Symptome gespritzt werden, und haben keine negativen Folgen, wenn sich später der Verdacht eines Infarktes nicht bestätigt.

Manchmal ist es aber kein weicher Propf, sondern eine harte Verengung der Herzgefäße durch Arteriosklerose, die Beschwerden auslöst. „Das System hält eine Verengung der Gefäße von bis zu 70 Prozent des Durchmessers aus“, so Präventions-Experte Herbert Schuster. „Darüber hinaus kann es lebensgefährlich werden.“ Dann muss das Problem auf dem OP-Tisch gelöst werden. Bei der Ballondilatation (auch Perkutane Transluminale Angioplastie, PTA) wird ein dünner Schlauch von der Armbeuge oder der Leiste durch eine Arterie bis zur verengten Stelle im Herzgefäß vorgeschoben. Ein kleiner Ballon an der Spitze des Katheters wird aufgeblasen, die verengte Stelle dadurch gedehnt und so dem Blut wieder freie Bahn verschafft. Das Problem: Bei etwa einem Drittel der Patienten verengt sich das Gefäß bald erneut.

 


 

Gerüst für die Gefäßwand

Um den Dehnungserfolg zu erhalten, wird häufig ein Drahtgeflecht (Stent) eingesetzt. Es wird an die verkalkte Gefäßstelle gebracht und mit dem Ballon aufgespannt. So wird die Wand nicht nur gedehnt, sondern gleichzeitig gefestigt, da der Stent in der Arterie bleibt. „Das ist vor allem dann sinnvoll, wenn die Gefäßwände stark geschwächt sind und nach dem Dehnen durch den Ballon erneut zusammenfallen würden“, sagt Kardiologe Dietrich Baumgart.

Mit der Zeit wachsen Zellen der Gefäßwand um den Stent, so dass er zu einem Gerüst innerhalb der Arterie wird. Doch auch hier kommt es bei fast einem Drittel der Patienten wieder zur Verengung. „Es gibt mit Medikamenten beschichtete Stents, die eine übermäßige Narbenbildung durch die wuchernden Zellen verhindern – und auf die Weise die Wiederverengung des Gefäßes“, sagt Baumgart. In vielen Fällen muss man den Arzt aber erst danach fragen, denn die Krankenkassen sind äußerst zurückhaltend bei der Bezahlung dieser teureren Stents.

Ist eine Herzarterie über weite Strecken oder an mehreren Stellen verengt oder bringen Dehnung und Stents keinen dauerhaften Erfolg, dann wird um die Verstopfung eine Umleitung, ein Bypass, gelegt. Bei dieser Operation müssen das Brustbein durchgesägt und die Rippen gespreizt werden. Danach wird entweder ein Stück Vene aus dem Bein des Patienten oder eine Gefäßprothese (meist aus Gore-Tex) vor und hinter der Verkalkung am Gefäß angenäht und so der Blutfluss umgeleitet. Auf die in der Regel rund drei Stunden dauernde Operation folgen einige Tage auf der Intensivstation und nach dem Klinikaufenthalt drei Wochen Reha. Doch dieser schwer wiegende Eingriff lohnt sich: Rund 85 Prozent aller Bypass-Patienten sind hinterher beschwerdefrei.

 

Herz-Rettung: Einmal überstanden bedeutet nicht für immer immun

Leider ist es beim Herzinfarkt nicht wie bei Masern oder Mumps – einmal einen durchgestanden zu haben, verschafft einem nicht dauerhaft Immunität. Ganz im Gegenteil: Das Risiko für weitere Infarkte bleibt lebenslang erhöht. Deshalb müssen die Patienten auch lebenslänglich Blutverdünner – meist Acetylsalicylsäure wie etwa Aspirin – und oft auch Statine einnehmen. Entzündungshemmer dagegen konnten die in sie gesetzten Erwartungen nicht erfüllen. Eine Studie am Bispebjerg-Universitätskrankenhaus in Kopenhagen hat ergeben, dass die Einnahme von so genannten nichtsteroidalen Antirheumatika (NSAR) wie etwa Ibuprofen und Diclofenac in höheren Dosen nach einem Infarkt die Sterberate erhöhen kann. Noch gefährlicher war aber die Wirkstoffgruppe der Coxibe. Sie erhöhten die Rate sogar bei niedriger Dosierung.

 

Sport ist ein Muss

Um einen Zweit- oder gar Drittinfarkt zu vermeiden, ist auch Sport ein Muss. Ärzte wissen das natürlich, doch nur wenige kennen die Wirkung von Herzmedikamenten auf die sportliche Leistungsfähigkeit. „Nach einem Herzinfarkt wird in allen Kliniken nach dem üblichen Schema verfahren: Patienten werden mit dem Standardquartett aus Betablockern, Angiotensinhemmern, Cholesterinsenkern und Blutverdünnern eingestellt“, sagt Herzspezialist und Marathonläufer Willi Heepe. „Diese Medikation schützt zwar, blockiert jedoch die Fähigkeit zur körperlichen Aktivität.“ Der Grund: „Vor allem eine zu hohe Dosis an Betablockern behindert die Freisetzung von Fett, so dass lediglich die Glykogenspeicher des Körpers für die Energiegewinnung zur Verfügung stehen“, erklärt Heepe. „Diese sind jedoch schnell erschöpft, und deswegen ermüdet der falsch eingestellte Patient sehr rasch.“ So macht Sport garantiert keinen Spaß.

Außerdem hat man nach dem Training Heißhunger, da die Glykogenspeicher leer sind. Und in dem Zustand isst man selten Dinge, die einem in der Reha angeraten werden. So wird es dem Patienten fast unmöglich gemacht, Fettgewebe ab- und Muskelmasse aufzubauen, was aber nötig ist, um das Risiko für einen erneuten Infarkt zu vermindern. Heepe rät, wann immer möglich auf Betablocker zu verzichten: „Ausdauertraining ist besser als jeder Betablocker, da er ohne Nebenwirkungen auskommt. Wenn der Verzicht nicht möglich ist, sollte es wenigstens der Wirkstoff Nebivolol sein, denn der bremst die Fettverbrennung nicht.“

Glücklicherweise ist die Medizin mit ihrem Latein hier noch nicht am Ende. Mediziner vom New Yorker Medical College haben im Herzen Stammzellen entdeckt, die die Heilung des Herzmuskels nach einem Infarkt möglich machen könnten. Die Forscher berichten bereits von guten Erfolgen mit den Herzstammzellen bei Mäusen und Ratten.

 

 

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